Es musste schnell gehen im Frühjahr. Der Corona-Lockdown zwang viele Arbeitnehmer von heute auf Morgen ins Home-Office – ohne Rücksicht darauf, ob eine Einrichtung, die diesen Namen verdient, zuhause überhaupt vorhanden war. Die Realität in deutschen Haushalten waren danach oft Notebooks auf Couchtischen, Aktenberge auf dem Esstisch, die Telefonkonferenz im Gartenstuhl. Was im ersten Moment vielleicht noch charmant wirkte, bringt Probleme mit sich; vor allem, wenn es um ergonomische Aspekte eines Arbeitsplatzes gibt. Da das Home-Office künftig wohl viel stärker zum Alltag gehören wird, treten diese Aspekte nun in den Vordergrund. Der TÜV SÜD gibt Hinweise dazu, wie ein Home-Office ausgestattet sein sollte, um Schäden wie Rücken- oder Nackenschmerzen zu verhindern.

Michael Weber ist beim TÜV SÜD Produktexperte und hat viele Hinweise, wenn es um die passenden Büromöbel für das Home-Office geht. Einige Maßnahmen sind auch ganz einfach ohne technische Veränderungen durchzuführen: Ein fester Arbeitsplatz sei sinnvoll, so der TÜV SÜD in seiner Veröffentlichung, Positionswechsel während des Arbeitstages ebenso. Telefonate beispielsweise können im Stehen durchgeführt werden, auch wenn kein höhenverstellbarer Schreibtisch vorhanden ist. Ein ergonomischer Bürostuhl und ein passender Tisch sind die ersten wichtigen Kriterien eines gesunden Heimarbeitsplatzes. Wenn der Tisch höhenverstellbar ist, umso besser.

Die Stuhllehne im Home-Office sollte dem Körper folgen

Ein guter Bürostuhl ist so hoch, dass die Füße auf dem Boden stehen und Ober- und Unterschenkel einen Winkel von etwa 90 Grad bilden. Höhenverstellbar sollte er also sein. Auch eine sogenannte Synchronmechanik zählt Michael Weber zur Grundausstattung: Beim Zurücklehnen neigen sich Sitz- und Rückenlehne ebenfalls nach hinten, der Stuhl folgt damit der natürlichen Körperbewegung. Eine Stütze im Lendenbereich schont die Wirbelsäule. Auf dem Stuhl sollte genügend Fläche sein, um die Oberschenkel abzulegen, die Kniekehlen aber müssen frei bleiben. Andernfalls könnte die Blutversorgung von Wade und Fuß gefährdet sein. Armlehnen dagegen sind Geschmackssache – falls man sich dafür entscheidet, sollten die Lehnen aber höhenverstellbar sein, so der Tipp.

Genug Luft zwischen Bein und Tisch ist wichtig am ergonomischen Arbeitsplatz

Ein als PC-Arbeitsplatz genutzter Schreibtisch muss bestimmten Anforderungen genügen, hier empfiehlt sich der Griff zum Maßband. Ein starrer Tisch sollte zwischen 72 und 76 Zentimetern hoch sein, ein elektrisch verstellbarer zwischen 65 und 125. Fünf bis zehn Zentimeter Platz zwischen Bein und Arbeitsfläche sollten vorhanden sein. Die Oberfläche des Schreibtisches sollte ausreichend groß und nicht-spiegelnd sein.

Die meisten während des Lockdowns in Home-Office geschickten Mitarbeiter möchten die Heimarbeit gern dauerhaft fortführen, zumindest teilweise. Eine Herausforderung für die Ergonomie von Arbeitsplätzen wird das in jedem Fall – für Arbeitgeber, aber auch für Arbeitnehmer.