Auf den Ausfall von Maschinen seien Unternehmen besser vorbereitet als auf den Ausfall von Mitarbeitern, sagt Arbeitszeitexpertin Eva Aich von der Bezirksregierung Düsseldorf. Dabei würden einfache Maßnahmen schon helfen, damit freie Zeit für Mitarbeiter auch freie Zeit bleibe. Konkrete Ansatzpunkte gibt sie im Interview.

Welche aktuellen Entwicklungen gibt es in Bezug auf die Arbeitszeitgestaltung?

Arbeitsschutz Aktuell TV Interview Eva Aich

Unsere Arbeit ist immer stärker geprägt durch technischen Wandel. Damit ändern sich die Anforderungen an Betriebe, durch Beziehungen in unterschiedliche Länder sind ganz andere Erreichbarkeitszeiten nötig. Das müssen Unternehmen in dieser schnelllebigen Zeit gesundheitsgerecht gestalten. Eine weitere Herausforderung ist der demographische Wandel: Hier zählt es, Mitarbeiter gesundheitsgerecht zu erhalten bis ins Rentenalter, um wirtschaftlich arbeiten zu können.  

Warum scheitern so viele Unternehmen bei der sinnvollen Gestaltung von Arbeitszeiten?

Das Thema Arbeitszeit wird von Unternehmen oft isoliert wahrgenommen. Es ist ein spezielles Gesetz und es entsteht der Eindruck: Wenn das erfüllt ist, ist das Thema ausreichend bearbeitet. Es gibt aber Schnittstellen zum gesamten Arbeitsschutz mit Wechselwirkungen, die Einbettung ist entscheidend. Das gerät oft aus dem Fokus, viele Einflüsse fallen aus der Planung heraus und das führt zu Problemen.    

Welche Maßnahmen gibt es für Unternehmen, Arbeitszeiten besser zu planen?

Da ist das Beispiel eines Montagebetriebes, der Arbeitszeiten sehr differenziert geplant hat, aber trotzdem ist die Planung nicht immer so eingetreten. Das Unternehmen hat Prozesse eingeführt, Monteure koppeln zurück, woran es gelegen hat, wenn die Zeitplanung nicht funktioniert hat. Solche Rückkopplungsschleifen sind in technischen Geräten selbstverständlich, in der Arbeitszeitgestaltung haben sie sich noch nicht durchgesetzt. Auch sollten Unternehmen sich vorab Gedanken machen, wie sie auf den Ausfall von Mitarbeitern reagieren. Wenn Maschinen ausfallen, gibt es viele Maßnahmen in Unternehmen. Wenn Mitarbeiter ausfallen, gibt es deutlich weniger Konzepte. Man greift stattdessen zum Telefon und fragt, wer einspringen kann. Im schlimmsten Fall müssen Mitarbeiter sich selbst um Ersatz kümmern. Unternehmen müssen sich aber vorab Gedanken machen, damit freie Zeit freie Zeit bleibt.

Autor: Andreas Eisinger | Datum: 02.März 2020