Smarte Textilien sind ein Schlagwort, das einem in der Arbeitswelt immer häufiger begegnet. Die können praktisch sein, sie können aber auch die Arbeitssicherheit verbessern. Ein Beispiel kommt von der ADRESYS Adaptive Regelsysteme GmbH – die ein System entwickelt hat, das bestimmte Notfälle erkennt und dann Sofortmaßnahmen durchführt – Strom abstellen und Hilfe rufen zum Beispiel. Ein Gespräch mit Nicole Burtscher, Marketing & Sales Expert.

Warum ist der Arbeitsschutz im Elektrobereich so wichtig?

Zunächst verlaufen 99 Prozent der Elektrounfälle sehr harmlos, wie der klassische Griff in die Steckdose. Das eine Prozent, das gefährlich ist, bleibt dagegen oft unentdeckt: Symptome können mit bis zu fünf Tagen Verzögerung auftreten, weshalb oft keine Verbindung mehr zum Elektrounfall hergestellt wird. Es geht um Herzprobleme, Atemnot, Schäden an Hirn und Lunge oder auch Blutvergiftung. Wir sind seit vielen Jahren in der Elektrobranche unterwegs, dieses Problem ist uns immer wieder über den Weg gelaufen. Vor drei Jahren haben wir uns entschlossen, etwas dagegen zu tun.

Wie funktionieren intelligente Systeme auf Textil und Elektronik?

Smarte Textilien, das ist immer Textil in Verbindung mit Elektronik. Diese reagiert auf Veränderungen in der Umgebung oder beim Träger selbst und kann dann mit dem Träger kommunizieren – über akustische oder optische Signale. Das Charmante ist, dass man aus einem normalen Arbeitsshirt etwas Tolles machen kann, das den Arbeitsschutz erhöht.

Und wie funktioniert Ihr System konkret?

Als Grundlage haben wir ein normales Shirt genommen und es mit Elektroden an den Oberarmen versehen. Über sie können wir einen Spannungsabfall messen, das ist das Kriterium für einen Elektrounfall. Außerdem gibt es Lage- und Bewegungssensoren, wir können so Stürze und Bewegungslosigkeit erkennen. Wenn eine solche Notsituation erkannt wird, kann über ein Mobiltelefon selbständig ein Notruf abgesetzt werden und die Stromquelle kann abgeschaltet werden. Die Dauer, die ein Betroffener im Stromkreis verbleibt, ist also kurz und die Rettungskette wird sofort in Gang gesetzt.

Was planen Sie für die Zukunft?

Es gibt noch wenige Daten über Elektrounfälle. Von einer eigenen Datenauswertung erhoffen wir uns, dass wir Schulungsmaßnahmen definieren können, um auch so nochmals die Arbeitssicherheit zu erhöhen. Und das Bewusstsein für die Gefahr bei der Arbeit mit Spannung zu stärken.