Acht Stunden lang mit Mund-Nasen-Schutz im Büro sitzen? Eine unangenehme Vorstellung, die aber zur Realität werden könnte, wenn die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sich mit ihrem Vorstoß durchsetzen sollte. Angesichts der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen in Deutschland schlug Kramp-Karrenbauer in einem Interview erweiterte Maßnahmen zum Arbeitsschutz vor, unter anderem das Tragen einer Alltagsmaske bei der Arbeit. Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften sehen das kritisch.

In vielen Unternehmen ist die Mund-Nasen-Bedeckung bei der Arbeit seit Monaten eingeführt, meist situativ, in Sozialräumen oder auf Fluren. Nach der Masken-Knappheit zu Beginn der Corona-Pandemie statteten viele ihre Mitarbeiter mit entsprechenden Masken aus. Eine generelle Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske bei der Arbeit aber sieht der im April veröffentlichte Arbeitsschutzstandard COVID 19 des Bundesarbeitsministeriums nicht vor. Auch die vor kurzem von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegebene SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel enthält keinen Hinweis auf eine allgemeine Maskenpflicht.

TOP-Regel gilt auch in der Pandemie

Auch die Maßnahmen der aktuellen Ergänzung fußen auf der im Arbeitsschutz bekannten TOP-Regel: Zunächst greifen technische Maßnahmen, dann organisatorische und erst dann personenbezogene. Zwar seien diese „sachgerecht miteinander zu verknüpfen“, aber der Vorrang ist klar geregelt. Heißt: Technische Lösungen wie Trennwände aus Plexiglas oder häufiges Lüften sollen am Arbeitsplatz die ersten Maßnahmen sein, die Umgestaltung von Arbeitsabläufen oder Möglichkeiten zum Home-Office folgen – erst kommen personenbezogene Schutzmaßnahmen wie Masken.


Maskenpflicht: „blinder Aktionismus“

Wirtschaftsverbände lehnen den Vorstoß von Kramp-Karrenbauer ab. Eine generelle Verpflichtung zum Tragen einer Alltagsmaske sei nicht zielführend, heißt es beispielsweise von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Wo eine Maske sinnvoll sei, könne sie eingesetzt werden, Unternehmen seien da ohnehin engagiert. Der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB spricht von „blindem Aktionismus“, Masken seien zwar die billigste, nicht aber die beste Lösung für mehr Arbeitsschutz in der Corona-Pandemie.

Widerstand nicht nur von der politischen Konkurrenz

Deutschlands Nachbarland Frankreich will im September eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz einführen. Dass diese auch in Deutschland kommt, scheint derzeit unwahrscheinlich. Vom politischen Wettbewerb, aber auch aus der eigenen Partei, erntet Annegret Kramp-Karrenbauer für ihren Vorstoß hauptsächlich Widerstand. Das SPD-geführte Arbeitsministerium beispielsweise verweist auf den Arbeitsschutzstandard und die jüngste Erweiterung. Welche Maßnahmen im Unternehmen sinnvoll seien, müsse vor Ort entschieden werden, so eine Sprecherin.