Home-Office, KITA oder Eltern-Kind-Büros: Der 11. Mai, der Tag nach Muttertag, wäre in normalen Zeiten ein Tag, um diese Errungenschaften der vergangenen Jahre zu feiern und weitere anzumahnen – um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter voranzutreiben.

Genau dafür war der 2012 ins Leben gerufene „Tag der Kinderbetreuung“ gedacht. In der Corona-Krise wird er unter völlig anderen Vorzeichen begangen. Es stellen sich viele Fragen, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer: über den Arbeitsalltag, finanzielle Entschädigungen und Unterstützung von Arbeitgebern.

Die sozialen Medien sind voll davon: Berichte von Eltern am nervlichen Limit. Von Eltern, die einen Spagat versuchen, der fast unmöglich scheint: konzentriert ihrer Arbeit nachzugehen, auch von zu Hause aus, und gleichzeitig Kinder zu betreuen. Schrittweise soll die Kinderbetreuung wieder hochgefahren werden, ein Regelbetrieb von KITAs aber ist nicht in Sicht. Und die Großeltern sollen aus Sorge vor Ansteckung nicht unterstützen, mahnen Experten weiterhin. Auf kreative Weise versuchen Kindertagesstätten mit ihren Kindern in Kontakt zu bleiben:  Mit Kinderpost, die Spielideen oder Blumensamen enthält, oder eigenen YouTube-Kanälen.

Am Betreuungsproblem für die Eltern ändert das freilich nichts. Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen, Alleinerziehende, Selbständige und Freiberufler, Menschen mit Existenzängsten. Unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen sind mit demselben Problem konfrontiert und leiden zudem unter der Perspektivlosigkeit, was die Kinderbetreuung betrifft. Beobachter vermuten daher, dass die Stimmen immer lauter werden, die eben eine solche Perspektive fordern.

Immerhin wenn es ums Geld geht, gibt es gute Nachrichten: Der Bund hat mit Entschädigungsansprüchen reagiert, die unter strengen Bedingungen einen Verdienstausfall abfangen sollen. Der Ausfall von Arbeitskräften dürfte aber auch für Unternehmen problematisch sein. Und viele stellen sich die bange Frage: Wie lange werden Arbeitgeber und Kollegen verständnisvoll reagieren und kompromissbereit sein? Finanzielle Unterstützung können jedenfalls auch Arbeitgeber bieten: bis zu 600 Euro steuerfreie Zulagen im Jahr, wenn Arbeitnehmer kurzfristig Kinderbetreuung organisieren müssen. Und bei allen Problemen bleibt dennoch eine Gewissheit: Ohne die in den vergangenen Jahren stark vorangetriebene Möglichkeit für mobiles Arbeiten, auch von zu Hause aus, wäre diese Krise für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine noch größere. Auf beiden Seiten bleibt die Hoffnung, dass der „Tag der Kinderbetreuung“ im Jahr 2021 unter anderen Vorzeichen begangen werden kann – auch in geöffneten Kitas.

Autor: Andreas Eisinger | Datum: 11. Mai 2020