Sie haben drei Streifen, den geschwungenen „Swoosh“-Haken oder markante Schriftzüge aufgedruckt: IT-Pieces bekannter Modelabels. Wiedererkennungswert haben aber längst auch Hersteller von Arbeits- und Schutzkleidung.

Als „komfortabel und perfekt gestylt in beiden Welten“ bezeichnet beispielsweise uvex die Kombination aus Workwear meets Streetwear. Wollen Menschen auch in der Freizeit plötzlich herumlaufen wie ein Handwerker? oder will Arbeitskleidung freizeittauglich werden?    

"Sehnsucht nach Greifbarem"

Beides ist wohl richtig. Ein Marktforschungsinstitut hat das Phänomen Engelbert Strauss untersucht. Ergebnis: In einer zunehmend virtuellen Welt sehnen sich Menschen nach Greifbarem, nach Anpacker-Spirit. Diesen Trend haben wir bereits vor einigen Jahren schon gesehen:  die  Arbeitshosen der US-amerikanischen Williamson-Dickie Manufacturing Company waren schon in den 1990er-Jahren bei vielen Skatern auf der Straße zu sehen. Im Hier und Jetzt trugen kürzlich die Top-Models Bella Hadid, Emily Ratajkowski und Kendall Jenner die Hosen auf Fotos in sozialen Medien und dürften damit für ein Revival sorgen. Dass die Marke gar kein Streetwear-Brand ist, sondern vor über 100 Jahren gegründeter Hersteller für Arbeitsbekleidung – manch einer dürfte das heute gar nicht mehr wissen.  

Die Grenzen verschwimmen 

Aber der Trend ist keine Einbahnstraße, auch Bekleidung, die beim Arbeiten schützt, sieht längst nicht mehr nach Dreck und Schweiß aus. Oder nach purer Zweckmäßigkeit. Um das festzustellen, muss man nur die Webshops und Angebote verschiedener Hersteller durchstöbern. Wer den aktuellen Katalog von Uvex Safety durchblättert, erkennt schnell Ähnlichkeiten zu Freizeitmode-Herstellern: Mit der „Kollektion 26“ will der Hersteller „Arbeitsbekleidung und freizeittaugliches Design zusammenbringen“. Die Models stehen in Langarmshirts lässig an eine Montagehalle gelehnt, tragen dünne Jacken über der Schulter und Arbeitsmützen im Beanie-Look auf dem Kopf.

Mit ihrer uvex 1 business Sicherheitsschuh-Linie setzt das Unternehmen auf die Kombination: sicher & perfekt gestylt und hat damit sogar den German Design Award 2020 gewonnen. Die Website von Arbeitsbekleidungs-Hersteller Hakro sieht genauso schick aus wie die Webshops von Modelabels: große Fotos, adrette Models, gute Laune. Kübler Workwear hat ebenfalls eine eigene Freizeitlinie am Start und verspricht: „Rundum bequem und im lässigen Streetwear-Style eignet sie sich hervorragend für Hobby und Heimarbeiten wie auch für relaxte Stunden auf der Couch.“ Der dänische Arbeitsbekleidungshersteller MASCOT präsentiert eine im Schnitt speziell an Frauen angepasste Produktlinie.

Und auch bei Sicherheitsschuhen muss man heute nicht mehr sofort an Stahlkappen denken: Eltens Sicherheitstiefel „Nikola“ aus feuerrotem Rindsleder richten sich zweifelsohne an Frauen und auch wenn Würth Modyf nach eigener Aussage unverändert für „ehrliche und schnörklellose Arbeitsbekleidung“ steht: Einer der Bestseller auf der Website ist ein Sicherheitsschuh im Sneakers-Look.

Funktionalität, imagegerechte Optik, hoher Tragekomfort - und Style! 

„Auf die ‚heilige‘ Dreieinigkeit der Berufsmode – Funktionalität, imagegerechte Optik und hoher Tragekomfort – wird man auch im neuen Jahrzehnt nicht verzichten“, sagt die DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH, ein Verbund aus Anbietern der textilen Mietbranche. „Aber der Trend, verstärkt Basics mit sportlichem Touch in der Arbeitswelt zu tragen, setzt sich fort.“ Arbeitsbekleidung darf sich heute also von seiner schicken Seite zeigen. Das dürfte denen gefallen, die sie tragen: Beim Job oder in der Freizeit.

Autor: Andreas Eisinger | Datum: 23. April 2020